Gabriela Heinrich und Christoph Safferling

Die Ohnmacht des Völkerrechts – Ein Gespräch zum Buch

„Ohnmacht des Völkerrechts“ lautete der Titel des Gesprächs mit Christoph Safferling, das am 9. Dezember 2025 in der Stadtbibliothek Erlangen stattfand. Doch ohnmächtig war das Völkerrecht an diesem vorweihnachtlichen Dienstagabend keineswegs. Es war mächtig genug, den Saal zu füllen. So voll, dass Stuhlreihen ergänzt werden mussten, weil das Interesse so groß war. Ein Gastbeitrag von Gabriela Heinrich.

Professor Christoph Safferling ist Direktor der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien und Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Völkerrecht an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Sein Buch war Inhalt des Gesprächs zwischen ihm und Gabriela Heinrich, SPD-Abgeordnete aus Nürnberg und menschenrechtspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.

Die ehemalige Erlanger SPD-Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich begrüßte das Publikum gemeinsam mit dem Hausherrn der Bibliothek, Adrian La Salvia. Die Veranstaltung war Teil der Ringvorlesung „Die Zukunft der Demokratie“ und eine Kooperation von Uni und Politik.

Die großen Fragen des Abends lauteten: Was bewirkt das Völkerrecht angesichts multipler Krisen, Kriege und Konflikte? Was hat Nürnberg mit der Entstehung des Völkerrechts zu tun? Und weicht die Stärke des Rechts aktuell dem Recht des Stärkeren? Im Gespräch wurde deutlich, dass manche Institutionen des Völkerrechts an ihre Grenzen stoßen – etwa der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, der durch widerstreitende Interessen immer wieder zum Stillstand kommt. Und auch Reformen, so notwendig sie erscheinen mögen, sind derzeit kaum durchsetzbar. Umso wichtiger ist es, den Blick nicht nur auf diese Engstellen zu richten, sondern auch auf das, was trägt: ein Gefüge, das weit darüber hinausreicht und aus einer bemerkenswert klaren Friedensidee heraus geschaffen wurde – dem Willen der Staaten, „künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren“. Ein Satz aus der Präambel, der uns bis heute daran erinnert, dass die Vereinten Nationen aus der Überzeugung entstanden sind, Frieden möglich zu machen.

Dass wir heute über das Völkerrecht sprechen können, ist keine Selbstverständlichkeit. Ohne Menschen, die an die Stärke des Völkerrechts geglaubt haben und ihre Ideen von einer regelbasierten Weltgemeinschaft verwirklichten, hätten wir kein Völkerrecht, keinen Internationalen Strafgerichtshof und keine Stellen, die Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das Verbrechen der Aggression und Völkermord dokumentieren und zur Anklage bringen. Gerade die Nürnberger Prozesse erinnern daran, dass aus tiefster Erschütterung etwas entstehen konnte, das bis heute trägt: die Einsicht, dass Recht Kraft entfalten kann – weil wir es geschaffen haben und weil wir daran festhalten. Bei aller Tragik des weltpolitischen Geschehens: Bleiben wir Idealisten!

Das Buch Ohnmacht des Völkerrechts kann in der Stadtbibliothek entliehen werden.

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