Blick von der Neustädter Kirche auf den Hugenottenplatz

Hinter den Kulissen der Zeit: Ein Blick ins Stadtarchiv Erlangen

Das Stadtarchiv, ein staubiger Keller oder doch eher eine Schatzkammer gefüllt mit Informationen und Andenken aus der Vergangenheit? Wolltest du schon immer mal wissen, was vor 100 Jahren in deiner Stadt alles vor sich ging, weißt aber nicht ganz, wo du anfangen sollst? Dann bist du hier genau richtig. Ein Gastbeitrag von Emily Pacholik. Sie ist Auszubildende zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste Fachrichtung Archiv.

„Wer sind wir, wenn wir vergessen, woher wir kommen?“

Für eine Stadt wie Erlangen ist das Archiv weit mehr als eine Verwaltungseinheit, es ist ihr kollektives Bewusstsein. Ohne die Arbeit der Archivar*innen und FaMIs (Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste) wäre die Identität unserer Stadt so flüchtig wie ein Social-Media-Post von gestern. In einer Welt, die sich immer schneller dreht, bietet das Stadtarchiv den Ankerpunkt. 

Ist das Stadtarchiv nicht eigentlich nur ein riesiger Keller voller staubiger Papierstapel?

Nicht wirklich, das ist eins der klassischen Klischees über Archive und wie wir wissen treffen Klischees nicht in jedem Fall zu. Wir achten sehr auf ein konstantes Klima und Sauberkeit in unseren Magazinen, damit die Archivalien die nächsten hundert Jahre überstehen. Das Archiv ist vielmehr eine Hightech-Schatzkammer, als nur ein einfacher, verstaubter Lagerraum.

Was wäre das Verrückteste oder Älteste, das ich mir im Archiv anschauen könnte?

Die ältesten Dinge sind oft Urkunden aus dem Mittelalter, die noch auf Pergament geschrieben wurden. Aber das „Verrückteste” sind oft die Alltagsgegenstände: alte Plakate der Bergkirchweih aus dem frühen 20sten Jahrhundert, handgezeichnete Stadtpläne, bevor es GPS gab oder private Briefe, die zeigen, wie Erlanger*innen früher geliebt oder gestritten haben.

Darf eigentlich jeder vorbeikommen oder muss man Historiker*in sein?

Das Archiv ist für alle da, jeder ist willkommen! Egal, ob du für ein Schulreferat oder eine Studienarbeit recherchierst, wissen willst, wie sich die Stadt entwickelt hat oder ob du Ahnenforschung betreibst. Unsere Türen bzw. unser Lesesaal steht allen offen. Man braucht kein Diplom, nur ein bisschen Neugier.

Ich möchte mehr über meine Familiengeschichte in Erlangen erfahren. Wie fange ich bei euch an?

Am besten mit dem, was du schon weißt. Schreibe uns eine E-Mail mit Namen und Daten, die du schon hast, wir recherchieren dann in unseren Unterlagen, z. B. Meldeunterlagen, Personenstandsregister oder alten Adressbüchern, ob wir passende Archivalien für dich finden. Diese kannst du dir danach im Lesesaal ansehen und durchlesen. Es ist ein bisschen wie Detektivarbeit: Man fängt mit einem Namen an und endet plötzlich im Jahr 1850.

Warum ist das Archiv gerade für das „moderne” Erlangen heute noch wichtig?

Oft kann man ohne die Vergangenheit keine Zukunft planen. Wenn die Stadt neue Viertel plant oder alte Gebäude saniert, ist der erste Blick meist der ins Archiv: Was war dort früher? Gibt es Denkmalschutz-Aspekte, die beachtet werden müssen? Außerdem sichern wir heute das, was in 100 Jahren als „Geschichte” gilt, also auch digitale Daten von heute. Daher sind wir wichtig für das „moderne“ Erlangen, damit all das, was wir heute erreichen in den nächsten Jahrhunderten noch nachvollziehbar ist.

Wir leben im digitalen Zeitalter. Wie archiviert man eigentlich E-Mails oder Webseiten der Stadt Erlangen?

Das ist die größte Herausforderung unserer Generation: die Langzeitarchivierung digitaler Daten. Ein Pergament hat bei optimaler Lagerung eine sehr hohe Lebensdauer. Eine PDF-Datei oder eine CD ist oft schon nach 15 oder 30 Jahren unlesbar, weil die Software oder die Hardware fehlt, bzw. sich weiterentwickelt hat. Wir nutzen spezielle Systeme, die Datenformate ständig in neue, lesbare Standards umwandeln. Wir archivieren heute nicht nur Papier, sondern auch die digitalen Akten der Stadt, damit Historiker*innen im Jahr 2124 wissen, was in Erlangen heutzutage passiert.

Gibt es Dokumente, die für die Öffentlichkeit gesperrt sind?

Ja, das ist gesetzlich geregelt. Das Bayerische Archivgesetz sieht Schutzfristen vor. Personenbezogene Daten sind oft bis mindestens 10 Jahre nach dem Tod der Person gesperrt, um die Privatsphäre zu schützen. Wir sind Hüter der Geschichte, aber auch Schützer der Persönlichkeitsrechte.

Welches Geheimnis aus der Geschichte Erlangens würdest du gerne mal im Archiv lüften?

Interessiert dich die Geschichte der Hugenottenstadt, vielleicht auch der Grund, warum Erlangen auch „die Hugenottenstadt“ genannt wird?

Bist du Mitglied in einem Verein? Interessiert dich deren Gründungsgeschichte?

Falls ja, schick doch gerne eine Anfrage an unsere E-Mail-Adresse oder komm persönlich während unserer Öffnungszeiten vorbei. Wir befinden uns in der Luitpoldstraße 47 in Erlangen. Nähere Informationen zu unseren Kontaktdaten, Öffnungszeiten und Dienstleistungen findest du auf unserer Homepage.

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