Die Erlanger Stadtbibliothek feiert 2021 ihr 100-jähriges Jubiläum. Hartmut Heisig gibt spannende Einblicke in die Geschichte der Bibliothek. Ein Gastbeitrag.
Die 1960er Jahre bescherten den Erlangerinnen und Erlangern eine Fülle von Lesungen auf höchstem Niveau. Größen ihrer Zeit wie Rudolf Hagelstange, Eugen Roth, Gabriele Wohmann, Siegfried Lenz, Uwe Johnson, Marcel Reich-Ranicki und viele andere bekannte Autorinnen und Autoren waren live zu erleben.
Im November 1969 gab Siegfried Lenz in der Stadtbücherei ein Interview (im Bild mit Bibliothekschefin Elisabeth Jung). Im Anschluss las er in der Aula des Schlosses aus seinem neuen Roman „Die Deutschstunde“ und Erzählungen aus einem noch unveröffentlichten Zyklus. Der Andrang war enorm, mehr als die vorgeschriebenen 500 Plätze waren besetzt und dabei mussten noch viele Interessenten abgewiesen werden. Selbst auf dem Podium war jeder Zentimeter Boden zwischen Lesepult und Blumendekor besetzt. Die Spannung war enorm: als der Ordinarius für Germanistik eine Einführung halten wollte, konnte es das Publikum nicht länger aushalten und stimmte einen Sprechchor an: „… Wir lassen uns nicht länger foppen und wollen Sie jetzt endlich stoppen!“ Sobald Lenz sprach, war das Publikum wie hypnotisiert. Ein Rundfunkbericht schildert die Atmosphäre: „… Und Zuhörerschaft stellt sich ein konzentriert, lautlos, verwandelt den Text in ein Stück Gruppenerfahrung, in einen über-individuellen Denkprozess, Kommunikation stellt sich ein, kalte rationelle Magie.“
Hartmut Heisig, Historiker, M.A.
Bild Stümpel, Stadtarchiv Erlangen
Redaktion
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