Zwischen DDR-Vergangenheit und Nachwendezeit erkundet Anousch Mueller die psychologischen Narben einer Familie. Großartig!
Um was geht es?
Dieser kleine, feine Roman erzählt die Geschichte einer Familie. In einem verlassenen Bahnhofsgebäude in Thüringen wächst die Erzählerin gemeinsam mit ihren fünf jüngeren Geschwistern auf. Doch da ist eine Leerstelle. Die Eltern schweigen, die zwei älteren Kinder aber spüren, dass jemand fehlt: Die Erstgeborene, Lori. Ihre jüngere Schwester kommt der Wahrheit auf die Spur.
Was macht den Roman besonders?
Eindringlich und feinfühlig erzählt Anousch Mueller über die Last des Verschweigens und deren drastische Auswirkungen auf die Psyche aller Familienmitglieder. Zugleich gibt der Roman mit großer sprachlicher Sensibilität Einblicke in das Leben der späten DDR-Jahre und der Nachwendezeit. Das ist dermaßen anschaulich erzählt, dass man meinen könnte, es handelt sich um die Geschichte der Autorin selbst. Ein schmales Buch, aber große Literatur, die mich sehr berührt hat.
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Anousch Mueller: Lori / C.H. Beck, 2026. – 204 Seiten
Marlene
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