Beate Laufer-Johannes in der Bücherinsel Frauenaurach

BücherInsel Frauenaurach vorgestellt

Beate Laufer-Johannes führt die Buchhandlung im Erlanger Stadtteil Frauenaurach seit 1998. Ich habe sie besucht und ihr fünf Fragen gestellt. Lest hier ihre Antworten und lasst euch zu einem Besuch inspirieren.

1. Wie war dein Weg hierher?

Mein Weg hierher ging über einige Umwege. Ich bin Theaterwissenschaftlerin. Das heißt, ich bin wegen des Studiums nach Erlangen gekommen, bin dann hier hängengeblieben und habe meinen E-Techniker kennengelernt. Am Ende meines Studiums war Maren unterwegs, meine Tochter. Und dann fing ich noch eine Promotion an, habe aber gemerkt: Das ist nicht das, was ich zukünftig machen will.

Als mein Sohn sechs war, hat sich die Idee der Buchhandlung herauskristallisiert. Dann habe ich Georg Kalb kennengelernt, der ein altes Bauernhaus abgerissen und neu aufgebaut hat. Wir konnten das ganze Haus mieten. Dann wurde es konkret. Ich habe mich fortgebildet und Praktika gemacht. Und so ist dann 1998 die Buchhandlung entstanden.

2. Was macht deine Buchhandlung besonders?

Die Buchhandlung macht als erstes besonders, dass sie eine Stadtteilbuchhandlung ist. Es gibt in Erlangen keine anderen Stadtteilbuchhandlungen. Sie sind alle in der Innenstadt. Und mir war es wichtig, vor Ort etwas zu haben.

Ich fand es in der Gründungsphase ganz spannend: Ich habe mein Geschäftskonzept entwickelt, hatte ein Gespräch mit einem Mitarbeiter der IHK. Er hat mich geschockt ohne Ende, weil ich hingekommen bin und er sagte: „Was wollen Sie überhaupt hier?“. Dann dachte ich: „Um Gottes Willen. Ist mein Konzept so schlecht, oder was?“ Und er sagte: „Passt doch alles!“.

Ein Herr vom Einzelhandelsverband ist schon ein bisschen mehr in die Tiefe gegangen und sagte: „Warum nicht in Büchenbach? Warum nicht in einem größeren Stadtteil?“ Und meine Antwort war – und die trifft auch heute noch zu –, dass Büchenbach kein Zentrum im eigentlichen Sinne hat. Frauenaurach dagegen hatte das zum Zeitpunkt, als ich aufgemacht habe, schon. Und ich habe in Frauenaurach gelebt, war im Elternbeirat von Schule und Kindergarten. Das heißt: Man kannte mich.

Unsere Buchhandlung ist auch deswegen besonders, weil sie auf einem relativ kleinen Raum – wir haben 70 Quadratmeter – ein breites Spektrum abbildet. Noch dazu ist sie eine klassische Familienbuchhandlung. Das heißt, die Kinder haben ihren Bereich.

Meine Kunden sind mit mir alt geworden. Ich habe sie als Babys erlebt und jetzt kommen sie, wenn sie ihre Eltern besuchen, hier vorbei und sagen „Hi Beate, es war toll bei dir!“. Es ist schon ziemlich besonders, alle zu begleiten. Und es ist ein sehr persönlicher Kontakt hier und wir haben zu 90 Prozent Stammkunden. Wir haben wenig Laufkundschaft, man fährt uns an. Also auch aus Büchenbach oder Fürth. Die Leute kommen gezielt hierher.

3. Wie entwickelt sich der Buchmarkt gerade? Was sind positive Trends und was macht dir Sorgen?

Der Buchmarkt entwickelt sich im Augenblick in eine positive Richtung. Es wird mehr gelesen. Ich brauche da nur die Stichwörter Young Adult und New Adult zu nennen. Das ist ja eine richtig große Community, die sich austauscht, viel liest und neugierig auf Neues ist. Die auch viel im englischen Original liest. Das ist der Unterschied zu früher: Man wartet nicht mehr auf die Übersetzung.

Und da kommen wir zu dem Punkt, der mir Sorgen macht. Die jungen Leute sind natürlich im Internet unterwegs und bestellen oft im Netz. Und man muss auch sagen, dass Thalia ihnen riesige Abteilungen bietet, mit allem möglichen Schnickschnack. Das kann eine kleine Buchhandlung wie meine nicht abbilden. Das ist eine Gratwanderung gerade: Wie erreicht man dieses Zielpublikum?

Und das zweite Problem – und das betrifft alle Geschäfte – ist der Rückgang der Kundenfrequenz. Wenn ich mich hier in Frauenaurach umschaue: Als ich aufgemacht habe gab es einen Metzger, einen Bäcker, einen Blumenladen. Die anderen Geschäfte gibt es nicht mehr oder sie schließen in Kürze. Das ist ganz schwierig für uns, wenn wir dann der einzige Leuchtturm im Ort sind.

Und ich glaube, das ist die große Herausforderung der nächsten Jahre: Wie beleben wir die Innenstädte? Wie beleben wir die Vororte?

Denn das ist auch wichtig für Kinder, für die Leseförderung generell: Sie gehen hier zur Schule, kommen in der Buchhandlung vorbei, stöbern und bestellen ihre Schullektüre. Und wenn der neue Paluten draußen ist, können sie sich zu hundert Prozent sicher sein, dass er hier bei uns liegt und sie ihn kaufen können.

Es ist ein niederschwelliger Zugang zu Literatur. Es wäre schade, wenn das verschwinden würde.

4. Was wünscht du dir für die Zukunft deiner Buchhandlung?

Ich bin dieses Jahr 65 geworden. Ich halte mich immer noch für im Kopf recht fit, also würde ich die Buchhandlung gerne noch eine Zeit machen. Aber irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo die Buchhandlung entweder abgewickelt wird oder wo man eine Nachfolge sucht. Ich bin jetzt gerade dabei, für mich herauszufinden, was ich überhaupt will. Was wäre mein Idealziel? Und mein Ideal wäre natürlich, wenn jemand mit einsteigen würde. Das fände ich sehr spannend, wenn man eine Übergangsphase hätte.

Die 30 will ich auf jeden Fall noch feiern, und die ist in zwei Jahren. Aber man muss ganz ehrlich sagen, dass die Buchhandlung in diesem Außenbezirk – und das ist ähnlich wie bei der Jana Bramer in Cadolzburg – andere Wege gehen muss. Es muss verschickt werden. Es muss ein größerer Auftritt bei Social Media stattfinden.

Wir sind gerade dabei, alles zusammenzustellen und zu ordnen. Und ich fände es schön, wenn die Buchhandlung nach mir weiterexistieren würde.

5. Welches Buch hat dich zuletzt besonders beeindruckt?

Ich bin eine alte Krimileserin. Ich fand von Nicci Cloke „Sie war es. Sie war es nicht.“ toll.

Katie Cole hat in einem Londoner Privatclub bedient und wurde für ein Abendessen von vier reichen Mitgliedern angefordert. Sie servierte dort das Essen und auf einmal ist sie verschwunden. Die Männer werden tot aufgefunden, vergiftet. Die Polizei sucht Katie und sie sagt den verräterischen Satz: „Sie haben es verdient“. Das erste Kapitel erzählt von ihr. Danach kommen fünf Männer zu Wort: der Anwalt, ihr Vater, ihr Ex-Freund, ein Journalist und ihr Jugendfreund. Und jeder erzählt etwas anderes über Katie Cole. Wir sehen diesen Fall also nur durch den männlichen Blickwinkel. Das letzte Kapitel erzählt Katie wieder selbst. Und die Autorin schafft es wirklich, alles aufzulösen. Und zwar so, dass ich dachte: Wow, gefällt mir wahnsinnig gut. Und sie schafft es sogar, diesem Satz „Sie haben es verdient.“ eine Bedeutung zu verleihen. Ich verrate jetzt aber nicht, ob sie es war oder nicht.

Noch ein weiteres Buch hat mich bewegt und quasi um den Schlaf gebracht: von Dror Mishani „Nicht“.

Ein Mann in den 50ern, seine Frau ist gestorben und er findet wieder eine neue Liebe. Und diese neue Liebe hat einen Hund. Das findet er am Anfang ein bisschen schwierig, aber dann gewöhnt er sich daran. Seine neue Liebe ist Cellistin. Sie hat eine Konzertreise und er passt auf den Hund auf. Es passiert ein Unglück und er verschweigt es ihr. Was macht das mit dieser Beziehung? Dieses Buch hat mit mir gemacht, dass ich leider nicht um 11 das Licht ausgemacht habe, sondern erst, als ich mit dem Buch zu Ende war. Und es war total faszinierend.

Beate und ihr Team von der BücherInsel Frauenaurach freuen sich über euren Besuch!

Lest auch den Blogbeitrag Literarische Buchhandlung Ulrike Epple vorgestellt.

Überhaupt gilt: Unterstützt die kleinen Buchhandlungen! Sie sind, genauso wie Bibliotheken, Orte der Literatur und der Leseförderung. Und machen unsere Städte und Gemeinden lebenswerter.

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Marlene (c) Stadtbibliothek

Marlene

Als Verantwortliche für Online-Kommunikation und digitale Medien in der Erlanger Stadtbibliothek bin ich viel im Netz unterwegs. Den analogen Ausgleich finde ich beim Wandern, Reisen und in der Literatur. #Bettleserin #Couchsurferin #Wikipedianerin

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